Kürzlich wurde mir ein Konzept zur kommunalen Wärmeplanung zur Stellungnahme vorgelegt. Und nicht zum ersten Mal bin ich doch einigermaßen darüber verwundert gewesen, mit wie wenig Sensibilität an diese Aufgabenstellung herangegangen wird. Anstatt von zukünftigen Bedarfen unter jetzt schon veränderten Rahmenbedingungen auszugehen und Energieversorgung neu zu denken, wird weiterhin an klassischen Lösungen festgehalten. Zur eierlegenden Wollmilchsau gehört schon immer der Ausbau bestehender Wärmenetze, die im besten Fall sogar mit Abwärme aus Industrieunternehmen gespeist wird. Dort, wo es noch keine Wärmenetze gibt, entscheidet die sog. Wärmeliniendichte über die Wirtschaftlichkeit neuer Netze. Und wo sich kein Wärmenetz lohnt, muss die Wärmepumpe ran. Fertig ist die kommunale Wärmeplanung und aus theoretischer Sicht lässt sich das auch gut auf dem Papier darstellen. Warum also die Kritik? Kurz gesagt: Weil der Blick auf die sich verändernden Rahmenbedingungen fehlt. Diese bestimmen maßgeblich die künftigen Anforderungen. Mit Abhängigkeit von Drittstaaten als Energielieferanten lässt sich heute keine Planungssicherheit garantieren und damit auch keine Wirtschaftlichkeit. Ohne Wirtschaftlichkeit kein Investor, ohne Investor keine Umsetzung, ohne Umsetzung keine Transformation. Wir brauchen also zwingend andere Lösungen als die bisherigen, und zwar solche, auf die wir selbst Einfluss haben.


3 einfache Fakten

Die Wärmewende als zentraler Schlüssel

Mit Blick auf die bisherige Entwicklung müssten wir also unsere Klimaschutzbemühungen verdoppeln. In den vergangenen 36 Jahren haben wir gelernt, dass wir auf flächendeckende Effizienzsteigerungen oder breite Suffizienz bei den Bürgerinnen und Bürgern nicht setzen können. Der einzige Hebel scheint die flächendeckende Energiebereitstellung zu sein, und genau hier setzt die Relevanz der kommunalen Wärmeplanung an. Der Zeitpunkt dafür könnte nicht besser sein, denn abgesehen von der noch verbleibenden Zeit zur Erreichung der Klimaziele geht es einfach und losgelöst davon um essenzielle Aspekte der Daseinsvorsorge, wie eine sichere, bezahlbare und vor allem unabhängige Energiebereitstellung für uns alle. Das erfordert aber neues Denken und nachhaltige Lösungsansätze, die zukunftsfähig sind. Eine zentrale Rolle spielt hierbei auch die sogenannte Sektorenkopplung, auf deren Bedeutung in einem separaten Beitrag eingegangen wird. Die bisherigen Strategien sind eindeutig nicht zukunftsfähig.


Zusammengefasst

Der richtige Zeitpunkt für eine nachhaltige Transformation ist jetzt – und nur jetzt. Wer diese einmalige Chance vergeigt und die Verpflichtung zur Wärmeplanung nur als gesetzliche Gängelei betrachtet, der hat die letzte Ausfahrt zur Klimaneutralität 2045 verpasst.



Über den Autor

Thomas Bloch, Gründer von ewko und Autor des Blogbeitrags.

Hinweis

Dies ist der erste Beitrag zur kommunalen Wärmeplanung. Das Thema ist komplex und wird daher in mehreren Beiträgen angesprochen. Die Beiträge werden hier veröffentlicht und auf facebook verlinkt.

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