
Grundsätzlich sind Wärmenetze eine gute Idee, vor allem dort, wo Netze bereits existieren und Ausbau- oder Verdichtungspotenziale vorhanden sind. Folgende Grundüberlegungen sollte man aber berücksichtigten: Der Heizenergiebedarf wird in den kommenden Jahrzehnten schrittweise abnehmen, denn auch eine geringe Sanierungsrate von 1 % pro Jahr wird schrittweise zu einer verringerten Heizlast führen. Die sogenannte Liniendichte und damit der Absatz von Wärme ist also heute am höchsten und wird über die kommenden Jahre abnehmen, sofern keine neuen Hausanschlüsse (Stichwort Nachverdichtungen) hinzukommen. Dort, wo ohnehin schon Anschlusszwang herrscht, ist dieses praktisch nicht mehr möglich. Die Frage, die sich aufdrängt; warum sollte ein Betreiber in ein Wärmenetz investieren, das künftig immer weniger pro Leitungsmeter abwirft? Hinzu kommt, dass auch immer mehr Gebäudeeigentümer auf alternative Heizsysteme umsteigen werden, somit verteilen sich die Kosten für den Unterhalt und Betrieb des Wärmenetzes auf immer weniger Wärmekunden. In der Folge werden die Kosten je Kilowattstunde steigen müssen und auch die Netzbetreiber werden sehr genau darauf achten, ob sich der Betrieb der Netze noch lohnt.
Auch Gasnetze sind betroffen
Die Problematik gilt aber nicht nur für Wärmenetze. Auch wenn die aktuelle Regierung den Einbau und Betrieb von Heizöl- und Erdgaskesseln wieder zugelassen hat, werden sich auch hier in den nächsten rund 20 Jahren immer mehr Gebäudeeigentümer für eine alternative Heizung entscheiden. Was bleibt, sind nur noch wenige Erdgasabnehmer an einem großen Gasnetz, das selbstverständlich auch gewartet werden muss. In der Konsequenz ist auch hier mit steigenden Netznutzungsgebühren zu rechnen. Hinzu kommen steigende Energiekosten für das Gas, weil ja irgendwoher auch noch Biogas beigemischt werden muss (Stichwort: Biotreppe). Gleichzeitig steigen die Preise pro Tonne CO2. Nebenbei; Die Frage, ob und woher sowohl das Biogas als auch das fossile Erdgas kommt, lässt sich heute nicht langfristig beantworten. Damit bleibt auch die Frage nach einer gesicherten und bezahlbaren Versorgung offen.
Diese Aussagen lassen sich auch auf Heizöl übertragen.
Abwärme ist auch keine dauerhafte Lösung
Immer wieder wird die Nutzung von Abwärme, die vorzugsweise aus industriellen Prozessen stammt, als innovativer Lösungsansatz ins Spiel gebracht. Die Potenziale sind unbestritten groß. Die Verfügbarkeit ist, dank Effizienzsteigerungen und der CO2-Steuer aber rückläufig. Zusätzlich leben wir wir in einer Welt, in der morgen schon alles anders sein kann, als es heute ist. Es gibt keine verlässlichen Lieferketten oder Absatzmärkte mehr. In jedem Fall keine, die eine langfristige Planung und Investition in entsprechende Wärmekonzepte und -netze erlauben würden. Steht die Produktion, weil Rohstoffe fehlen oder aufgrund von Zöllen der Absatz komplett einbricht, steht auch keine Abwärme zur Verfügung. Daher kann die produzierende Industrie auch keine verbindlichen Wärmelieferverträge eingehen. Übrigens ist das auch dann der Fall, wenn, völlig losgelöst von geopolitischen Krisen, aufgrund des Technologiefortschritts weniger energieintensive Produktionsverfahren und Materialien eingesetzt werden oder die Abwärme vorzugsweise am eigenen Standort verwertet werden kann, was wirtschaftlich betrachtet für die Unternehmen eindeutig die beste Variante darstellt. Dieser Ansatz endet also auch in einer Sackgasse. Eine Ausnahme: die Anbindung von neu entstehenden Rechenzentren kann durchaus Sinn machen und eventuell bieten auch Abwassersammler ein gewisses Potenzial.
Zusammengefasst
Weder Gasnetze noch klassische Wärmenetze garantieren automatisch eine sichere und bezahlbare Energieversorgung der Zukunft. Standardlösungen stoßen an ihre Grenzen. Abwärmepotenziale werden deutlich überschätzt.
Die Wärmewende braucht deshalb mehr als alte Konzepte mit neuem Etikett. Gefragt sind resiliente, flexible und wirklich zukunftsfähige Energiesysteme
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